Gewaltberatung

Die Themen „Gewalt“ und „sexualisierte Übergriffe[1]“ lösen bei vielen Menschen Angst, Abwehr, Abscheu und Hilflosigkeit aus. Während die Opfer eines solchen Verhaltens in hohem Maße Solidarität und Unterstützung erfahren, werden die gewalttätig und sexualisiert handelnden Menschen häufig ausgegrenzt und allein­gelassen. Vor allem die Männer, die überwiegend in der Täterrolle wahrgenommen werden, finden kaum Hilfe, obwohl ein großer Teil von ihnen an diesem Verhalten selbst leidet und es gerne verändern möchte. Aber nur in wenigen Städten Deutschlands gibt es spezifische Angebote. Meist jedoch ist es so, dass in den bestehenden Beratungs-, Therapie- und Kliniklandschaften bei den dort Tätigen nur geringes Wissen über die Dynamik gewalttätigen und sexualisierten Handelns und über die Möglichkeiten zur Veränderung dieses Verhaltens besteht.

Zugleich scheint es in der Öffentlichkeit nur ein geringes Bewusstsein dafür zu geben, dass Hilfeangebote zu Veränderung eines solchen Verhaltens zwingend notwendige Bestandteile einer effektiven Gewaltprävention sind. Denn überall dort, wo ein Mensch Gewalt erfährt, gibt es selbstverständlich auch jemanden, der diese Gewalt ausübt. Und Hilfeangebote für die Opfer ändern nichts an der Bereitschaft des gewalttätig Handelnden, dieses Verhalten in einer ähnlichen Situation erneut zu zeigen. Allein Beratungs- und Therapieangebote von spezialisierten Fachleuten bieten dem gewalttätig Handelnden (und der Gesellschaft) eine Chance, den Teufelskreis sich stetig wiederholende Gewalt zu unterbrechen bzw. ihr sogar vorzubeugen.

 

[1]              Das Attribut „sexualisiert“ statt „sexuell“ verweist darauf, dass es bei dem entsprechenden Verhalten weniger um das Ausleben originär sexueller Bedürfnisse als vielmehr um – zumindest weit überwiegend – andere Motive geht.